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Die Bahnhöfe

 1912 erbaut: Der Strandbahnhof
 
 

Warten auf den Kuss des Prinzen

Travemünde verfügt über drei Bahnhöfe (bzw. „Haltepunkte“) – Jawoll! Drei Bahnhöfe! - Lübeck-Travemünde-Skandinavienkai, Lübeck-Travemünde-Hafen und Lübeck-Travemünde-Strand. Beginnen wir mit dem letzten, dem Endbahnhof, denn dort werden Sie aussteigen, wenn Sie nicht in der Altstadt Quartier bezogen haben.

  Wenn Sie im Sommer ankommen, ignorieren Sie bitte einfach den heruntergekommenen Zustand des Bahnsteigs. Freuen Sie sich stattdessen – positiv denken! – über die vielen bunten Schmetterlinge, die von den Schmetterlingsbäumen auf dem zugewucherten, zweiten Bahnsteig angezogen werden.  
 

Lassen Sie sich auch nicht von der öden Leere der Bahnhofshalle deprimieren, sondern richten Sie den Blick nach oben, wo Sie sehr schöne Deckenmalereien und nach Osten hin eine große Glasmalerei erspähen können. Ach, könnte die Deutsche Bahn die Travemünder Bahnhöfe so schultern wie Atlas die Weltkugel!

Der Prinz naht – seit Jahren schon – und mal wieder gibt es einen Termin, Sommer 2003, zu dem die Renovierungsarbeiten beginnen sollen. Ein kleines, kleines Defizit von 400.000 € schwebt noch über dem Projekt, und in bescheidenem Maß will der Gemeinnützige Verein Travemünde hier tätig werden, denn die Erhaltung von Kulturgütern – sprich: Glasmalereien – gehören zu seinen Satzungszielen.

  Deckenbemalung im Strandbahnhof
     
 
  Der Strandbahnhof um 1900

Der Strandbahnhof verdient es, aus dem Dornröschenschlaf erweckt zu werden.

Mit jahrzehntelangen Verzögerungen – Lübecker Kaufleute hatten Einspruch gegen die Strecke erhoben, weil sie mal wieder die Konkurrenz ihrer schönsten Tochter fürchteten - erreichte die Eisenbahn 1882 endlich Travemünde und 1898 den Strandbahnhof.

 

 

  Damals war das Bahnhofsgebäude eher eine Bretterbude, allerdings mit Restauration. Es war mal wieder ein angekündigter Besuch des Kaisers zur Travemünder Woche, der die Investitionen in Travemünde beflügelte. 1912 wurde der Bahnhof fertiggestellt, erst später erhielt er die einzigartige Anzeigetafel am Turm, die den nächsten Zug nach Lübeck angibt.
Der Kuss des Prinzen...
...soll nun den Bahnhof modernisieren, ein Fahrkartenschalter (!!!) wird erstehen, und das Tourismus-Büro sowie Geschäfte und Restaurationsbetriebe sollen hier ihre Pforten öffnen. Direkt am Bahnsteig wird der Umstieg auf die regionalen Buslinien möglich werden.
Angaben komplett ohne Gewähr!
 
 

Der Hafenbahnhof (Stadtbahnhof)


Auch hier ist bei der Ankunft ein ausgeglichener Gemütszustand von Vorteil – aber Sie fahren ja schließlich in Urlaub – denn der „Allgemeinzustand dieses Bahnhofs“ (rücksichtsvolle Formulierung) lässt nicht vermuten, dass die Bahnsteigdächer noch vor wenigen Jahren erneuert wurden. Um das Gelände zu verlassen, müssen Sie durch einen unappetitlichen Tunnel.
 
  Aber dann haben Sie es auch geschafft, und ein Schatz liegt vor Ihnen: Das alte Bahnhofsgebäude, das nach dem Abriss eines hölzernen Vorgängers 1913 errichtet wurde: Ein Backsteinbau mit monumental anmutenden Sandsteinsäulen. Hier sind bereits vor einigen Jahren ein Dornröschen und ein Prinz, Simone und Udo Teuber, tätig geworden. Liebevoll haben Sie das alte Gebäude restauriert und neu eingerichtet und der „Alte Bahnhof 1913“ ist entstanden.  
  Alter Bahnhof 1913
 
 

Hier können Sie nicht nur gut essen und ein gepflegtes Bier trinken, sondern der Alte Bahnhof bietet etwas, was es seit Jahrzehnten nicht mehr in Travemünde gab: Live-Musik (Folk, Rock, auch Travestie) und das sogar im Winter!

 

Der Kuss des Bahnprinzen...
...naht angeblich auch hier: Ein neuer „Hausbahnsteig“ soll entstehen, d.h. Sie brauchen dann keinen Tunnel mehr, um den Bahnhof verlassen zu können.

Und wenn sie nicht gestorben sind, werden die Stadtplaner auch noch den seit etwa 100 Jahren anhaltenden Planungsprozess für die vor dem Bahnhof gelegene Vogteistraße zu einem gütlichen Ende bringen...

Skandinavienkai

Hier hilft kein Prinz, denn Dornröschen ist schon beim Bau des Haltepunktes zur Betonsäule erstarrt. Hier hilft nur der ausdauernde Blick in die Zukunft, denn wegen der Ausweitung des Skandinavienkais muss die Bahnlinie ohnehin bald weiter ins Inland verlegt werden. Hoffentlich eröffnen sich dann attraktivere Möglichkeiten der Bahnanbindung an Europas größten Fährhafen.

 

 
   
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Alter Bahnhof 1913
 
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